Gesetzliche Krankenversicherung: Große Koalition will Wartezeiten beim Arzt reduzieren

Manuel HeuselBlog

Ein altbekanntes Problem: Man benötigt dringend einen Termin beim Arzt, doch die Wartezeiten sind manchmal enorm lang. Um diesem Zustand entgegenzuwirken, will die Große Koalition nun wesentliche Änderungen im Gesundheitssystem vornehmen. Doch die niedergelassenen Fachärzte zeigen sich empört und bezeichnen diesen Vorschlag als unausgereift.

Maximal vier Wochen: utopische Bedingungen?

Wenn es nach dem Willen von SPD und Union geht, sollen alle gesetzlich Versicherten höchstens vier Wochen auf einen Termin beim Facharzt warten müssen. Um dies in die Tat umzusetzen, soll die Kassenärztliche Vereinigung alle Terminanfragen als eine zentrale Stelle vermitteln. Wenn kein freier Termin innerhalb dieser Frist zur Verfügung steht, so sollen sich die Patienten auch an eine Notaufnahme wenden dürfen. Im Grundsatz hört sich der Vorschlag nicht schlecht an. Allerdings sehen hier der Fachärzteverband und die Ärztegenossenschaft grundlegende Probleme. Sie plädieren dafür, dass das System in seiner jetzigen Form „gut funktioniere“. So wird mittlerweile sogar über eine Kampagne gegen niedergelassene Fachärzte spekuliert.

Warten, Warten, Warten

Wartezimmer beim Arzt

Wartezimmer beim Arzt

Doch die Realität sieht anders aus. Zwar verweist die KV auf eine Befragung aus dem letzten Jahr, nach der nur jeder Zehnte länger als drei Wochen warten musste, allerdings sieht es bei den gesetzlich Versicherten schon ganz anders aus. Jeder fünfte Patient in der Bundesrepublik musste demnach länger als drei Wochen auf einen Termin beim Facharzt warten. Die durchschnittliche Wartezeit würde gar bereits drei Wochen betragen, so der Bundesverband der Betriebskrankenkassen. Immerhin liegt die Wartezeit bei den Hausärzten in den meisten Fällen bei durchschnittlich acht Tagen. Diese Umstände kennen auch die Krankenkassen. So bieten viele bereits an, Termine bei Fachärzten zu vermitteln, um die Wartezeiten so gering wie möglich zu halten. Nur eine direkte Behandlung durch einen Facharzt sei am Ende wirklich ökonomisch, so der BKK-Dachverband.

Ausweichmanöver ins Internet

Um diesen Wartezeiten zu entfliehen, suchen inzwischen viele Menschen Hilfe bei medizinischen Diensten im Internet. Hierbei handelt es sich entweder um Ratgeberseiten für die Selbstdiagnose oder gar um zugelassene Ärzte, welche sich auf die Ferndiagnose spezialisiert haben. Manchmal ersetzen solche Angebote inzwischen sogar den eigentlichen Arztbesuch. In den letzten Jahren ist die Zahl solcher Dienste immer weiter angestiegen. Hier gibt es weitere Informationen zum Thema.

Fachärzte ziehen sich zurück

Doch gerade die Fachärzte sind es, die der Diskussion ausweichen. Aus internen Kreisen vernimmt man, diese seien einfach nur überlastet. Dies würde auch die langen Wartezeiten erklären. Erst vor kurzem starten die Fachärzte eine Werbekampagne, in welcher sich diese Berufsgruppe als aussterbende Spezies bezeichnete. Dabei ist ihr Anteil an der Ärzteschaft in Deutschland im stetigen Zuwachs begriffen, wobei die Zahl der Hausärzte mittlerweile stagniert. Laut Leonhard Hansen, dem ehemaligen Vizechef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, wären die falschen finanziellen Anreize daran schuld. So würde es sich für einen Arzt lohnen, seine Patienten nur alle drei Monate zu einem Termin zu bestellen. Hierbei sei ihm in jedem Quartal eine Pauschale der Krankenkassen sicher.

Lange bekannte Probleme

Schon vor 13 Jahren legte der Sachverständigenrat der Bundesregierung diese finanziellen Fehlanreize offen und prangerte vor allem an, dass viele Ärzte chronisch kranke Patienten aus Prinzip ablehnen würden. Bis zum heutigen Tag hat sich dies nicht geändert. Anders sieht die Sache bei Privatpatienten aus. Deren Kassen vergüten die Termine umgehend, so dass sie wesentlicher lukrativer sind. Daher kommen sie auch wesentlich schneller an einen Termin. Allerdings muss die Grundursache im System geändert werden.